In der weitläufigen Halle des Kraftwerks Berlin, eines ehemaligen Kraftwerks, kamen Bundeskanzler Friedrich Merz und Jensen Huang, Gründer und CEO von NVIDIA, zusammen, um über Deutschlands KI-Fahrplan und insbesondere über industrielle Anwendungen von KI zu sprechen.
Huang zeichnete zu Beginn die langjährige Beziehung zwischen NVIDIA und der deutschen Industrie nach. Diese begann Anfang der 2000er-Jahre mit Gaming-Systemen, Workstations und Automobildesign und reicht bis zu den heutigen Partnerschaften in der Entwicklung autonomer Fahrzeuge sowie bei digitalen Zwillingen für die Fertigung.
Im Mittelpunkt des Gesprächs stand die Frage, wie Deutschland die KI-Revolution bestmöglich nutzen kann, indem es seine Stärken in der Fertigung und im Automobilsektor ausspielt und die Einführung von KI im gesamten Ökosystem kleiner und mittlerer Unternehmen des Landes fördert.
Bereits zuvor am selben Tag, hatten Bundeskanzler Merz, das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt im Rahmen des Invest in Germany Summit eine gemeinsame Absichtserklärung mit NVIDIA unterzeichnet.
Ziel der Bundesregierung ist es, traditionelle deutsche Ingenieurs- und Fertigungskompetenz mit Spitzenforschung und KI-Technologie zu verbinden. Die Erklärung sieht vor, gemeinsam mit NVIDIA an einer Initiative zur Weiterentwicklung modernster KI-Modelle für physische KI zu arbeiten.
Die Formalisierung und Ausweitung der Zusammenarbeit von NVIDIA mit der Bundesregierung und deren „Plattform Industrie 4.0“, der Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verbänden angehören, trägt dazu bei, das erklärte Ziel der Regierung zu erreichen, „industrielle KI systematisch in die breite Anwendung zu bringen und ein hochmodernes industrielles KI-Ökosystem in Europa aufzubauen“.
Deutschlands Ziel, KI in die Industrie zu integrieren
Merz und Huang befassten sich eingehend mit industrieller KI und mit der Frage, wie NVIDIA Deutschland dabei unterstützen kann, eine Vorreiterrolle einzunehmen. Der Bundeskanzler erläuterte zunächst die Ambitionen seiner Regierung.
„Wir sind fest entschlossen, einer der fortschrittlichsten Standorte der Welt zu werden, nicht nur in der Europäischen Union, sondern weltweit, um mit KI zu arbeiten und KI in unsere Industrie zu integrieren“, so Merz. „Ich bin wirklich zuversichtlich, dass wir eines der führenden, wenn nicht das führende Land der Welt sein werden, was die Verbreitung von KI in allen Unternehmen betrifft – bei unseren Herstellern, im Maschinenbau, in der Automobilindustrie und bei den Zulieferern der Automobilindustrie. Ich halte dies für eine große Chance.“
Merz wandte sich an die anwesenden Führungskräfte kleiner und mittlerer Unternehmen – des Mittelstands.
„Der größte Vorteil, den wir in Deutschland haben, ist unser sogenannter Mittelstand“, so Merz. „Bitte öffnen Sie Ihre Türen für KI, um Ihre Daten zu nutzen. Dies ist ein echtes Geheimnis und ein echter Vorteil für Deutschland: all die Daten zu nutzen, die in unseren Unternehmen bereits vorhanden sind.“
Huang stimmte zu und würdigte die erstklassige Expertise Deutschlands in großen wie kleinen Fertigungsunternehmen sowie die Exzellenz des Landes in Mathematik und Naturwissenschaften. Diese nationale Expertise und dieses Wissen seien es, die die deutsche Wirtschaft auszeichneten, so Huang, und KI werde sie weiter verstärken.
„Dieses Wissen gehört Ihnen“, so Huang. „Es ist nicht ersetzbar. KI kann Ihre Fähigkeiten nur erweitern, sie wird Ihre Fähigkeiten nicht ersetzen. Nutzen Sie die Technologie. Sie ist ein neues Instrument.“
Huang und Merz waren sich einig, dass Deutschlands Expertise im Bereich physischer Technologien ein Alleinstellungsmerkmal ist und in Verbindung mit KI als starker Beschleuniger für die deutsche Wirtschaft wirkt.
„Wenn es uns gelingt, diese beiden Aspekte und Bereiche der Wirtschaft der Zukunft zusammenzuführen“, so Merz, „bin ich wirklich sehr zuversichtlich, dass Deutschland eine der erfolgreichsten Volkswirtschaften der Welt sein kann.“
Huang bezeichnete die Auswirkungen von KI auf nahezu alle Branchen als eine neue industrielle Revolution.
„Diese industrielle Revolution ist so gewaltig, so wirkungsvoll“, so Huang. „Mit den Worten des Bundeskanzlers: Sie gestalten Deutschland neu. Dies ist Ihre Chance, es gut zu machen.“
Merz regte ein regelmäßiges Wiedersehen mit Huang an, um die Fortschritte Deutschlands im Bereich KI zu bewerten.
„Ich würde ihn gern regelmäßig treffen, sagen wir mindestens einmal im Jahr, und die erzielten Fortschritte besprechen“, so Merz. „Und dann möchte ich jemanden in meinem Büro sitzen sehen, der mit Deutschland als Investitionsstandort äußerst zufrieden ist.“
Investitionen von NVIDIA in Deutschland
Huang kündigte zudem neue Investitionen in vier deutsche Start-ups an. Diese sind Teil einer Zusage von NVIDIA in Höhe von fast 10 Milliarden US-Dollar zur Unterstützung von Unternehmen, Universitäten, Forschungseinrichtungen und weiteren Akteuren in ganz Europa.
NVIDIA investiert bereits im gesamten deutschen Start-up-Ökosystem und unterstützt führende Technologieunternehmen, darunter n8n, Neura Robotics und Black Forest Labs.
Heute gab Huang neue geplante Investitionen in Agile Robots, Avelios Medical, Mirelo und Reflex Aerospace bekannt.
Agile Robots, ein Robotikunternehmen mit Sitz in München, entwickelt KI-gestützte Roboter – von Roboterarmen bis hin zum humanoiden Roboter Agile ONE – für Fertigung, Logistik und Gesundheitswesen.
Avelios Medical, ein Start-up für Gesundheitstechnologie mit Sitz in München, entwickelt ein KI-natives Krankenhausinformationssystem, das als zentrales Dokumentationssystem für klinische und administrative Arbeitsabläufe dient. Es integriert KI direkt in den Krankenhausbetrieb, um Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte zu entlasten, damit sie eine bessere Patientenversorgung leisten können.
Mirelo, ein deutsches Start-up, entwickelt KI-Modelle, die Soundeffekte, Sprache und Musik für Videos generieren. Damit unterstützt das Unternehmen Kreative und Produktionsteams bei der Erstellung hochwertiger Audioinhalte, die exakt auf das Bildmaterial abgestimmt sind.
Reflex Aerospace, ein Raumfahrt-Scale-up mit Sitz in Berlin, entwickelt und baut leistungsstarke Satelliten, die innerhalb von etwa 12 Monaten statt mehrerer Jahre startbereit sind.
Siemens und NVIDIA treiben autonome Fertigung voran; Quantensimulation mit Rekordumfang
Bereits zuvor am selben Tag hatte Siemens eine Partnerschaft mit NVIDIA bekannt gegeben, um KI-gesteuerte, autonome Fabriken voranzutreiben. Siemens präsentierte in seinem Werk in Erlangen neue KI-Lösungen und baut damit dessen Rolle als globales Vorbild für autonome Fertigung weiter aus. Ein vollständig virtueller Produktionsanlauf reduziert den Entwicklungsaufwand um bis zu 85 %, während eine agentenbasierte Produktionsplanung eine anpassungsfähigere Fertigung und Kosteneinsparungen von bis zu 20 % ermöglicht.
Forschende von NVIDIA nutzten JUPITER, den größten Supercomputer Europas am Jülich Supercomputing Centre, um eine rekordbrechende Simulation eines fehlertoleranten Quantencomputers durchzuführen. Die Simulation mit 104 Qubits ist die bislang größte und detaillierteste ihrer Art.
