Redaktioneller Hinweis: Der folgende Beitrag wurde von Leandra Finke verfasst und ursprünglich bei Gründerszene / Business Insider Deutschland veröffentlicht. Er wird mit Genehmigung des Verlags auf dem NVIDIA Blog erneut veröffentlicht. Es handelt sich um einen redaktionellen Beitrag des Originalmediums und nicht um einen von NVIDIA verfassten Blogbeitrag. Sämtliche Bilder werden mit freundlicher Genehmigung von Gründerszene veröffentlicht. © HTGF/Dominik Tryba
Wir stehen am Beginn der industriellen Revolution der generativen KI – einer Transformation, die jede Branche grundlegend verändern und die größten Herausforderungen der Menschheit lösen wird. Davon ist Howard Wright überzeugt. Er ist Vice President des Startup Ecosystems bei NVIDIA – dem weltweit führenden US-Technologiekonzern im Bereich KI-Infrastruktur.
Er sagte bei einer Keynote auf einem Event des VCs HTGF in Berlin: Die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz sei ein technologischer Umbruch, vergleichbar mit der Erfindung der Elektrizität. Für Gründer, Risikokapitalgeber und Startups gebe es daher seiner Ansicht nach keinen besseren Zeitpunkt als jetzt.
Gründerszene hat Wright getroffen und mit ihm über die Rolle deutscher KI-Startups gesprochen – und darüber, wie NVIDIA diesen Wandel mithilfe eines globalen Startup-Förderprogramms weiter vorantreiben will.
Wer ist Howard Wright?
Bevor sich der über zwei Meter große Howard Wright im Startup-Ökosystem einen Namen machte, studierte er an der Stanford University und spielte professionell Basketball in der NBA. Während seiner mittlerweile mehr als 25-jährigen Karriere in der Tech-Branche trieb er den Aufbau von Ökosystemen und strategischen Partnerschaften bei einigen der prägendsten Technologieunternehmen voran. Unter anderem war er als Vice President of Global Startups bei Amazon Web Services AWS tätig, bevor er 2024 zu NVIDIA wechselte. Außerdem hatte er Führungspositionen bei Intel und Qualcomm inne.

NVIDIAs Förderprogramm für Startups
Bei NVIDIA leitet Howard Wright das sogenannte Inception-Programm, ein kostenloses Förderprogramm für Startups. Seine Aufgabe besteht darin, den Zugang zu NVIDIAs KI-Plattform zu demokratisieren und gleichzeitig strategische Partnerschaften im gesamten Startup-Ökosystem aufzubauen. Er meint damit: „Diese Demokratisierung erfordert Hardware, Software, intensive technische Zusammenarbeit, manchmal auch Geld und oft Rechenleistung für die Startups, die diese am dringendsten benötigen.“
Weltweit arbeitet Wright innerhalb des Programms mit mehr als 38.000 Startups, führenden Risikokapitalgebern und globalen Technologiepartnern zusammen. Ziel sei es, Fortschritt zu schaffen, der Branchen verändert und die größten Herausforderungen der Menschheit löst.

Diese Fragen hört NVIDIA-VP Wright von deutschen Startups ständig
Wenn Howard Wright heute mit deutschen Gründern spricht, geht es oft um dieselben Fragen: Soll der Fokus zunächst auf dem Heimatmarkt liegen? Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Expansion in die USA? Und wie global muss ein KI-Startup von Anfang an denken?
Viele Gründer seien unsicher beim richtigen Timing, sagt Wright. Genau dabei wolle NVIDIA unterstützen. Entscheidend sei, dass Startups zuerst ihre Produkt-Markt-Fit finden und ein funktionierendes MVP entwickeln. Denn gerade beim Markteintritt gebe es nur eine Chance für einen starken ersten Eindruck. „Und wir als Führungsteam versuchen, sie zu beraten, wann sie aus dem Stealth-Modus herauskommen, wann sie mit Reportern sprechen und wann sie auf die Bühne gehen sollten.“
Für Wright gehört genau diese Begleitung zu den spannendsten Teilen seiner Arbeit: junge Gründer mit großen Ambitionen dabei zu unterstützen, ihren Weg zu finden – trotz Unsicherheiten und Konkurrenzdruck.
KI-Boom: Silicon Valley schaut auf Deutschland
In Deutschland und deutschen Startups sieht Howard Wright enormes Potenzial. Besonders im Bereich industrieller KI traut er dem Standort viel zu. „NVIDIA betrachtet Deutschland als langfristigen Innovationspartner und globalen Vorreiter, insbesondere in den Bereichen Fertigung, Robotik und Mobilität. NVIDIA sieht großes technologisches Potenzial in deutschen KI-Startups, vor allem im Bereich der industriellen und physikalischen KI.“
Die Zusammenarbeit mit deutschen Startups versteht er dabei auch als strategische Brücke zwischen dem deutschen Tech-Ökosystem und der Bay Area. „Wir sind also hier, um die Kluft zwischen der Bay Area und Berlin sowie dem gesamten deutschen Ökosystem zu überbrücken.“ Besonders schätze Wright die Ingenieurskultur in Deutschland: „Ich denke, es gibt hier eine Konzentration von Intellekt, Intensität und Perfektion. In allem, was getan und exportiert wird, steckt deutsche Handwerkskunst. Und wir glauben, dass KI ebenfalls Teil dieser Geschichte sein wird.“
„Was mich positiv überrascht hat, sind sowohl die Risikokapitalgeber als auch die Regierung.“ Für Howard Wright ist klar: Der Aufbau eines starken KI-Ökosystems in Deutschland funktioniert nur über die Zusammenarbeit von Staat und Privatwirtschaft. „Es braucht beides. Es erfordert eine globale Zusammenarbeit auf ganz bestimmte Weise.“
„Das deutsche KI-Ökosystem wird aufblühen.“
Howard Wright
Vice President des Startup Ecosystems bei NVIDIA
Gleichzeitig sieht der NVIDIA-VP enormes Potenzial in deutschen Schlüsselindustrien – und fordert mehr Selbstbewusstsein beim Aufbau eigener KI-Player. „Es ist sicherlich an der Zeit, in bestimmten Branchen auf das Deutsche stolz zu sein.“ Entscheidend sei nun, deutschen Startups denselben Zugang zu Technologien und Infrastruktur zu ermöglichen wie internationalen Wettbewerbern. „Und es ist an der Zeit, sicherzustellen, dass deutsche Startups Zugang zu denselben Entwickler-Tools und Software-Schnittstellen bekommen wie Unternehmen in anderen Ländern.“
Dass NVIDIA seine Präsenz in Deutschland ausbaut, sei deshalb kein Zufall. „Die Welt wird in vielerlei Hinsicht kleiner. Und wir wollen hier näher dran sein. Wir wollen näher sein als die 10.000 Meilen zum Hauptsitz.“
Wright ist überzeugt: Der deutsche KI-Markt stehe erst am Anfang. „Wir glauben, dass gerade etwas Einzigartiges geschieht. Und wir glauben, dass das deutsche KI-Ökosystem kurz vor dem Aufblühen steht.“
Industrie trifft KI: Wo Deutschlands größte Chance liegt
Welche Branchen in Deutschland besonders gute Chancen haben, weltweit eine führende Rolle bei KI einzunehmen? Für Howard Wright liegt die Antwort vor allem in den traditionellen deutschen Industrien. Dazu zählt er Konzerne wie Siemens, SAP und Partner aus der Automobilindustrie, mit denen NVIDIA teils seit Jahrzehnten zusammenarbeitet.
Die bestehenden Industriepartnerschaften sollen auch Startups zugutekommen. Ziel sei es, die Eintrittshürden für junge KI-Unternehmen deutlich zu senken. „Wenn wir das tun, wenn wir unsere Aufgabe richtig erfüllen, wird es für deutsche KI-Startups jetzt einfacher sein, einzusteigen, als es vor sechs Monaten oder sogar vor sechs Jahren war.“
Besonders großes Potenzial sieht Wright dort, wo deutsche Industriekompetenz auf KI trifft – etwa in Fertigung, Automobilindustrie und industrieller Software. Gleichzeitig verweist er auf die Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung: Modelle würden kontinuierlich leistungsfähiger, neue Infrastruktur entstehe rasant.
Für Gründer sei das eine seltene Gelegenheit. „Das schafft wirklich eine wunderbare Gelegenheit für die Leute, außerordentlich mutig zu sein. Und wir hoffen, dass Deutschland sich auf diesen Mut einlässt.“
Diese deutschen Startups sind schon dabei
Ob N8n oder Black Forest – mit deutschen KI-Startups arbeitet NVIDIA bereits seit Jahren zusammen. Das seien nur zwei Beispiele von rund tausend Startups deutschlandweit, die Teil von NVIDIAs Inception-Programm sind, so Wright.
Auf die Frage, welche Startups besonders gute Chancen auf eine Aufnahme in das kostenlose Programm haben, antwortet Howard Wright grinsend: „Jeder kann sich bewerben.“ Denn: Entscheidend sei weniger die Größe als das Potenzial. „Wir haben Startups, die milliardenschwere Einhörner sind. Und wir haben Startups, die die sprichwörtlichen drei Jungs in einer Garage irgendwo in Stuttgart oder München sind. Es macht Spaß, die Entwicklung zu beobachten.“
Besonders stolz sei sein Team darauf, junge Unternehmen auf entscheidenden Etappen zu begleiten: wenn aus geschütztem geistigem Eigentum erste große Kundenverträge entstehen, Investoren einsteigen oder Übernahmen stattfinden. „Die meisten von uns im Team haben eine lange Geschichte in der Startup-Welt und wir können uns besonders gut in die Startup-Reise hineinversetzen, die sehr, sehr schwierig ist. Wir möchten ihre Wegbegleiter sein und ihnen auf ihrem Weg helfen.“
Ursprünglich veröffentlicht bei Gründerszene / Business Insider Deutschland. Beitrag von Leandra Finke. Bilder mit freundlicher Genehmigung von Gründerszene. © HTGF/Dominik Tryba. Wiederveröffentlicht mit Genehmigung des Verlags.
